Am 7. Tag 23.08.2019 geht es vorwärts Richtung Norden nach Arawajcheer und weiter, soweit es uns gelingt, zum Orchon Wasserfall.
Doch kommen wir zunächst zu unserer Nacht am wunderschönen Ongij Kloster. Wir sagen mal so, sie war recht regnerisch und das Dachzelt musste die Regentauglichkeit unter Beweis stellen. Grundlegend ist festzustellen, es ist dicht, wenn die Regenhaube drauf ist und sie zum richtigen Dachzeltmodell gehört. Diese Plane jedenfalls gehört nach aller Herumprobierei definitv nicht zu diesem Dachzelt. Sie passt zu 90%, aber eben nur zu 90%. Was zur Folge hat, dass ein bisschen Regen bestimmt kein Problem ist. Wenn es aber länger regnet und die Plane kurz über dem Reisverschluss zu Ende ist, kommt es, welch Überraschung, zum Wassereinbruch im Schiff und der Kahn (diesmal nicht Gjnghes Khan😉😎) saugt sich voll. Blöd für die Matratze im Oberdeck. Zum Glück hatten wir unsere Luftmatratzen aufgeblasen, dem Komfort zuliebe, und bekamen erst am Morgen von der Misere ein Bild. Wir und die Schlafsäcke blieben weitestgehend verschont.Nach grober Beseitigung der Havarie und Sicherstellung aller noch trockenen Gegenstände machten wir uns entgegen unseres eigentlichen Plans noch eine Nacht zu bleiben, doch auf den Weg. Das schlechte Wetter etwas zu nutzen schien uns logisch und wir verschoben unseren Ruhetag auf unbestimmt nach hinten.Was sollen wir sagen, die Straßen sind nicht wirklich besser geworden. Bis nach Arawajcheer ging das Offroaddrama weiter. Wobei es etwas gerader und zügiger voran ging, wie gewohnt. Im Ort angekommen trauten wir unseren Augen kaum. Alles sehr ordentlich! Betonierte Straßen, hübsche Häuser und viele Menschen.Nach ein paar Einkäufen im emsigen Treiben ging es etwa 2 Stunden später weiter. Warum 2 Stunden? Ganz einfach wir sind irgendwie erst im Baumarkt/ Kleidungsviertel gelandet. Da schlenderten wir ein bisschen und bestaunten die anaeinaandergereihten 20 Fuß Container, in jedem ein Laden. Einer für Beton, einer für Schuhe, einer für Motorräder usw. Für alles gab es mindestens einen.Die Stadt verließen wir auf einer betonierten Straße, die uns versprach, dem Wasserfall noch etwas schneller näher zu kommen. Nach ca 15 Minuten fiel uns aber ein, dass diesmal der Rechte Hinterreifen irgendwie etwas luftlos erschien. Kurzer Hand haben wir nochmal gehalten …… mh, nein so können wir nicht weiter fahren. Also umgedreht und den nächsten Reifendoktor gesucht. Wir nutzten zunächst die gleiche Technik wie vorn Links. Einfach Luftaufpumpen und dann wieder gut. Gesagt getan. Luft drauf, Auto zur Weiterfahrt bereit.Wir schafften noch ca 75km, erst betoniert und dann, wie soll es anders sein, Offroad. Und da es auch hier schön geregnet hatte sollte das ne schöne schlammige Angelegenheit werden. Nach der Überquerung eines 2200Meter hohen Passes ging es hinab und wir beschlossen in ein idyllisches Seitental auf etwa 2000 Metern einzubiegen und dort unser Nachtlager aufzuschlagen. Leider stellten wir ein ppppfffffffff Geräusch am hinteren rechten Reifen fest und die unumgängliche Sache wurde klar. Der Reifen muss gewechselt werden. Aber nicht mehr heute.Wir machten uns noch Nudeln in diversen Variationen, von Nudelsuppe zur Vorspeise, über Asianudeln zum Hauptgang und zum Nachtisch Restreis mit Restsauce von den Asianudeln. Ja so einen Tag lang fahren macht sehr hungrig 😊🥖🍲🥘🍜.Am nächsten Morgen, dem 8.Tag und der 7.Nacht bei ziemlich kühlen Temperaturen auf dieser Höhe, schälten wir uns noch etwas träge und müde von der Fahrt aus dem Dachzelt. Da war keine 10 Minuten später Niom, der Nachbarsjurtenmann, da. Wie auch bei unserer ersten Begegnung mit dem mongolischen Volk boten wir ihm einen Platz an und etwas zu trinken. Es folgte erneut ein Versuch der Kommunikation. Diese Versuche waren spärlich, aber immerhin haben wir Namen und Alter ausgetauscht…. ach und Telefonnummer damit wir ihn mal anrufen können😂. In Anbetracht dessen, dass wir ja noch den Reifen wechseln wollten, versuchten wir höflich das Gespräch zu beenden und deuteten auf den kaputten Reifen hin, der nun schon richtig platt war, dass wir diesen jetzt wechseln müssen. Da ließ sich Niom nicht Lumpen und die willkommene Abwechslung zu den Schafen, Ziegen und Pferden war da.
Wir können euch sagen, das war eine Aktion. Kurz zusammengefasst, das Auto war nun so flach, dass der Wagenheber nicht mehr an der richtigen Stelle aufgebockt werden konnte und es von Nöten war, irgendwie schrittweise den Offroadhobel aufzubocken.
Schwierig auf ner Alm, wo es gerade mal paar Steine und Gras gab. Bald verlor ich (Hendrik) das Kommando über die Aktion und ich wurde zum Handlanger degradiert.
Der Plan, wie es geht, war Hendrik klar aber Niom ließ sich nicht direkt was sagen. Es kam die zündende Idee. Er ritt zu seiner Jurte und kehrte mit einem 2. Wagenheber Modell „sowjetisch 2.Weltkrieg “ zurück. Was solls, er funktioniert. Und nicht genug. Sein Sohn Atar, 30 Jahr, wurde auch direkt mit ins Kriesenzentrum geordert. Nun war Hendrik eine weitere Hierarchiestufe gesunken und wurde zum Betrachter in 2. Reihe dekradiert.
Carina hatte während dessen eine tragende Rolle, neben dem Onkel, der sich auch am Standort des Geschehens einfand. Die beiden waren als Pferdehalter eingeteilt. Gab ja schließlich nichts zum Festmachen😅🐎
Und es kam, wie es kommen musste. Der Reifen wurde gewechselt und mit viel Improvisation und 2 Stunden später gab es ein großes Dankeschön und ein Pils von uns.

Kurzer Hand sagten wir uns jetzt oder nie, wir fragen mal, ob wir mal mit in die Jurte können. Und wir wurden auf die Frage herzlich eingeladen, auf Kumis und so eine Art Eierkuchen mit Quark. Und was sollen wir sagen, nach all dem Unken und Bedenken, die vergohrene Stutenmilch war nicht so schlecht. Wir sagen mal so, der europäische Gaumen ist es vielleicht nicht gewohnt, aber rein aus Erzählungen hätte es wohl noch viel schlimmer schmecken müssen. Auch die Eierkuchen waren lecker. Auch wenn wir nicht so genau wussten, was das war.

Und dann wurde das große Fotoalbum herausgeholt und wir schauten die Familienchronik im Schnelldurchgang an. Auch wir zuckten die Smartphones und zeigten ein paar Bilder unserer liebsten Daheimgebliebenen.Nun mussten wir aber los, denn schließlich wollten wir noch den Wasserfall erreichen. Knappe 100 km kein Problem.
Und wir dachten, die Steigerung an schlechten Straßen ist aufgebraucht. Diese waren die Allerschlimmsten. 20km/h im Schnitt. Mehr sagen wir nicht.Eins war klar, egal was sie über diesen Wasserfall schreiben, er sollte besser echt schön sein, sonst gibt es Beschwerden beim Reiseführerersteller. Denn das hat gefühlt ein Lebensjahr an Kraft gebraucht, um dort hin zu gelangen.Angekommen am Ort der Qual, genossen wir nur noch peripher das tolle Naturschauspiel. Eigentlich wollten wir nur noch: Dachzelt und Hinlegen. Und so ging es zeitnah und im warmen Schlafsack eingepackt ins Bett.


Sehr schöne Berichte. Danke, Papi / Burkhard
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Ja, Hendrik kann alles immer so schön umschreiben. Und ich korrigiere dann 😀
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